Die Orgeln der Münsterkirche
Die Orgeln im Herforder Münster können auf eine lange Geschichte zurückblicken. Schon 1532 und 1560 sind Organisten und damit Instrumente im Herforder Münster nachweisbar. Um 1600 wurde die bestehende Orgel durch die berühmte Hamburger Orgelbauerfamilie Scherer umgebaut und hatte dann zwei Manuale mit 41 Tönen und kein selbstständiges Pedal. 1684 baute Hinrich Reinking aus Bielefeld eine Orgel mit 20 Registern, verteilt auf Hauptwerk und Pedal, die durch Johann Patroklus Möller um ein Rückpositiv und 14 Register auf Springladen erweitert wurde. Sie stand optisch wohl sehr eindrucksvoll auf einem Lettner vor dem Hohen Chor des Münsters. Dieser Lettner wurde um 1868 abgerissen, und die durch ihren warmen und fülligen Klang in etlichen Quellen gerühmte Orgel verschwand spurlos. Nur eine Tafel auf der Musikempore zeugt noch von ihrer Existenz. 1874 erfolgte auf der neuerrichteten Westempore ein Neubau durch Fritz Meyer aus Herford mit zwei Manualen und Pedal mit 35 Registern, der 1891 auf drei Manuale mit 52 Registern erweitert wurde. Dieses Instrument wurde 1920 pneumatisiert und mehrfach umgebaut. Es verfiel zusehends, bis ein Bombentreffer des Zweiten Weltkrieges ein Übriges tat. 1949/51 wurde ein Neubau der Hauptorgel durch die Firma Förster & Nikolaus/Lich in Angriff genommen, der 1961 um ein großes Rückpositiv erweitert wurde und 1991 nochmals umgebaut wurde.
So präsentierte sich die große Orgel im Herforder Münster aus musikalischer Sicht als ein Konglomerat aus vier ähnlich neobarock disponierten Werken mit einem unvollkommenen, schwellbaren Brustwerk. Das Fehlen von fis’’’ und g’’’ in den Manualen II, III und IV und das Auftreten von Verschleißerscheinungen und eklatanten Sicherheitsmängeln, besonders in der gesamten Elektrik des Instrumentes aus den Jahren 1949/50 ließen Gedanken an eine technische Instandsetzung aufkommen. So entstanden im Laufe der Jahre auf Initiative von Münsterkantor Stefan Kagl in Zusammenarbeit mit zahlreichen konzertierenden Gastorganisten Pläne, das Instrument technisch und musikalisch zu überarbeiten. Eine Generalreinigung, ein kompletter Austausch der elektrischen Anlagen samt allen Kontakten und Magneten und die Umstellung auf 24 Volt sowie der Ausbau aller Manuale bis g’’’ waren der Ausgangspunkt der Überlegungen. Die Klangsubstanz der Orgel sollte bis auf zwei sehr hohe Mixturen aus den 60er Jahren erhalten bleiben. So wurden behutsam Register innerhalb der Manuale getauscht, gerückt oder umintoniert, ganz oder teilweise neu gebaut, um die klanglichen und musikalischen Möglichkeiten des Instruments zu erweitern.
Die Renovierung der Orgel ist seit September 2006 abgeschlossen. Die Orgel präsentiert sich nun in neuer, strahlender Klangfülle.
Die Disposition der großen Orgel
I. Hauptwerk (C-g3) | Pedal (C-f1) | Koppeln: |
| IV. Echo (Brustwerk, C-g3) | III. Récit (Oberwerk C-g3) | II. Rückpositiv (C-g3) |
| 4000 facher Setzer, Schweller III, IV, Walze frei einstellbar, Zungen ab, Tutti, Sequenzschalter. | ||
weitere Orgeln in der Kirche
Die Schwalbennestorgel (auch Heinrich-Schütz-Orgel oder Zuberbier-Ott-Orgel genannt) an der Nordwand im Hohen Chor des Herforder Münsters hat eine wechselvolle Lebensgeschichte. Der Prospekt (ohne Pfeifen) sowie Teile des Gehäuses und die Hauptwerkslade stammen aus einer 1756 von Johann Andreas Zuberbier für die Pfarrkirche in Friedewalde erbauten Orgel mit einem Manual und 9 Registern und angehängtem Pedal. Ungefähr 100 Jahre später wurde die Orgel nach Südhemmern transferiert und in der Folgezeit im romantischen Sinne umdisponiert. 1949 wurde die Windlade und der Prospekt nach Herford verkauft, wo Paul Ott 1953 daraus eine neue Orgel mit 21 Registern, verteilt auf 2 Manualen und Pedal, erstellte. Laut Angaben von Prof. Dr. Arno Schönstedt, des damaligen Münsterorganisten, haben die ehemaligen Mitarbeiter Otts, die Orgelbauer Ahrend und Brunzema, die Intonation vorgenommen. Zur Zeit bedarf diese Orgel dringend einer grundlegenden Restaurierung.
| Hauptwerk Rohrflöte 8' Prinzipal 4' Gedackt 4' Nasat 2 2/3' Oktave 2' Waldflöte 2' Mixtur 4f Trompete 8' | Brustwerk Holzgedackt 8' Blockflöte 4' Prinzipal 2' Terz 1 3/5' Quinte 1 1/3' Oktave 1' Zimbel 2f Regal 8' | Pedal Subbaß 16' Prinzipal 8' Nachthorn 2' Fagott 16' Clarine 4' |
Im Münster befinden sich noch drei weitere Orgelpositive: auf der Musikempore ein Instrument von Paul Ott, 1953 (Gedackt 8`, Rohrflöte 4´, Prinzipal 2´, Quinte 1 1/3´, Holzregal 8´ mit geteilten Registerzügen), ein Positiv der Firma Steinmann an der Brüstung zur Taufkapelle (Gedeckt 8´, Rohrflöte 4´, Prinzipal 2´, Quinte 1 1/3´) und für die Continuobegleitung eine Truhenorgel mit Holzgedackt 8´ und Transponiereinrichtung.



